Fireworks

Am Nachmittag mache ich mich auf den Weg um eine gute Kameraposition für die Nacht zu finden. Oh weh, es ist 16 Uhr und schon alles voll. Die besten Plätze gar komplett abgeriegelt oder privatwirtschaftlich reserviert.

Man spürt, die Stadt hat organisatorische Erkenntnis gesammelt. Immerhin werden am Abend wieder 1,5 Millionen Zuschauer erwartet. Die Absperrgitter sind unbezwingbar, es gibt berittene Polizei, massig Security, medizinische „Event Rescue Teams“, Schleusen mit Rucksackkontrollen und Orgatypen, die mit sanfter Stimme Durchsagen machen. Alkohol und Glasflaschen sind nicht erlaubt. Ziemlich hart für die eisernen Fans, die, wenn es losgeht, schon 8 Stunden in der Sonne gebraten haben und nicht einmal ordentlich „anstoßen“ dürfen um 12.

Die ersten Warnschüsse werden um 9 abgefeuert. Dann folgt so eine Art „illuminated Loveparade“ der Schiffe im Hafen.

Spätestens um 10 wird es langweilig. Dann irrt man ein wenig umher, guckt anderen müden Leuten zu, sucht vielleicht einen gemütlicheren Platz. Ich bin schließlich hinter der Brücke gelandet. Man sieht von da aus zwar nur das Brückenfeuerwerk, und hat nicht den freien Blick aufs Wasser mit weiteren von Pontons betriebenen Feuerwerken, aber ich will ja auch nur einmal im Leben diese Brücke brennen sehen. Let's go ...

So nach 30 Minuten ist Schluss. Es wird jetzt nochmal ganz schön unangenehm, denn die 1,5 Millionen wollen alle auf einmal wieder nach Hause. Da hilft auch die beste Organisation nix mehr, da geht erst mal nur marschieren...

Sydney zwischen den Jahren

May I introduce you...

Meine Gastgeber, Guido und Juli, leben in Sydney, im hippen aber auch irgendwie schrägen Viertel Newtown. Kurze Wege, bestens öffentlich vernetzt, grüne Wildnis in der Stadt, urbanes multikulturelles Treiben, laut und leise nah beieinander – so mag ich das. Shoppingmeile und kultureller Dreh-  und Angelpunkt ist die King Street. Drum herum lauschige Wohnviertel mit terrassierten Häuschen und Villen aus dem 19. Jahrhundert, eins für jede Partie. Allerhöchste alternative Lebensart!

Guido kenne und schätze ich aus gemeinsamen Markgraph-Zeiten. Er ist Motion Designer und schwer zu kriegen für Jobs seitdem er sich in Sydney beruflich etabliert hat. Privat scheint auch alles im Lot denn die beiden heiraten gerade in Deutschland. Meinen ganz herzlichen Glückwunsch!

Im Folgenden, von links nach rechts: Guidos Terrasse, sein Ausblick, Guidos Strasse, Guidos Haus (ganz praktisch ... mit Café im Erdgeschoß), Guidos Park, die Nachbarschaft um den Park herum, schließlich das Treiben in und um die King Street um 8 Uhr morgens. (die letzten Bilder zeigen übrigens ein Kunstwerk: die „Tarnmaske“ auf dem Mauersockel ist aus Beton gegossen)

Jetzt, wo ich die kulinarische Talsohle Valparaiso überlebt habe, wollte ich mal wieder was richtig leckeres Essen, das auch gesund ist. Gehe also Frühstücken ins 2042, King Street. Es gibt Spiegeleier mit geräuchertem Lachs und gehacktem Kräuter-Tomatensalat, darunter versteckt sich glutenfreies Brot mit Humus bestrichen. Respekt, das schmeckt.

Das Café war ansonsten nicht so interessant, deshalb bin ich am nächsten Tag zu Guidos Lieblingscafé gegangen und hab lieber da fotografiert. Was man also im Anschluss sieht, ist das Innenleben des Cafés vom Berkelouw's Newtown Bookshop, wo es auch gut schmeckt aber bisschen verrückter und hübscher ist.

In Sachen Ökologie und Effektivität können wir Nachhaltigkeitsweltmeister mal was von anderen lernen. Mülltrennung ist hier für jeden selbstverständlich, das nächste Ziel anvisiert...

Der öffentliche Nahverkehr feuert aus allen nachhaltigen Rohren. Da wären die zahlreichen mit Erdgas betriebenen Busse (erstmalig bei der Olympiade 2000 zu sehen). Es gibt den futuristischen Skytrain für die Touristen. Nahverkehrszüge, die wie U-Bahnen getaktet sind und die unzähligen staatliche Fähren, die Halbinseln mit der Stadtmitte (CBD) verbinden. Das ordentlich ausgebaute, kartographierte und genutzte Fahrradwegenetz nicht zu vergessen. Alles ist immer sehr gut und leicht verständlich ausgeschildert. Man kann verdammt schnell vorankommen in dieser Stadt, auch öffentlich!

An dieser Stelle möchte ich mich kurz mal bedanken bei meiner Tante Emmi. Sie ist sozusagen die Schutzpatronin meiner Reise. Wenn immer sie in der Kirche ist, zündet sie eine Kerze an für mich. Danke Emmi, ohne Dich kein Glück!

Ihr sollt aber auch nicht leiden ... die große weiße Kerze in der Mitte des zweiten Bildes habe ich für Euch, liebe Leser, Freunde und Familie, in einer griechischen Kapelle in Newtown angezündet. Sie leuchtet den Weg ins neue Jahr. Euch allen, ein wunderbares, gesundes und glückliches 2013!

Kleiner Exkurs, aus gegebenem Anlass: No smoking please, Zeit für neue Vorsätze.

Das ist sie also die Einheitsschachtel zu EUR 13 für 25 Kippen. Werbung ist nicht mehr erlaubt hier seit dem 1. Dezember, so wenig wie ein markenbezogenes Design der Schachtel. Während wir rumwursteln mit dem Verbot von  Menthol-Zigaretten, macht Australien ernst.

Die Richtung ist doch schon lange klar, im nächsten Schritt sind halt Konsequenzen angesagt. Die Botschaft: Was heute für die Welt gilt, gilt morgen auch für uns persönlich. Wir müssen die Erde viel besser beschützen, nicht mehr nur aushalten oder uns an ihr berauschen. Alles andere war auch schön, ist aber Vergangenheit. Over and out! Such Dir einen neuen, besseren Spaß mein Freund.

Wir werden alle verzichten und uns ein wenig mehr konzentrieren müssen. Keep the best, forget the rest! Nicht nur materiell sondern auch was unsere Geltungsansprüche, private Leidenschaften und schlechte Angewohnheiten anbelangt. Wir werden natürlich weiter machen mit unserem Freiheitsdrang und der Gier nach Neuheit und Erfindung. Kein Problem, neue Freiheit kommt mit mehr Verantwortung. Wir müssen eben lernen das konsequent miteinander zu verklemmen.

Valparaíso

Das Paradies stelle ich mir anders vor! Rau und abweisend geht es im kommerziellen Teil dieser Hafenstadt mit immerhin fast 300.000 Einwohnern zu. So-so, Valparaísos Stadtkern ist Weltkulturerbe. Wenn man das so anschaut, könnte man im Dresdener Elbtal eigentlich noch einige Brücken gebaut haben bevor man der Stadt den Rang entzieht...

Es lichtet sich etwas in Richtung Bankenzentrum. Elektrische Oberleitungsbusse, äußerlich scheinbar unangetastet seit den 50igern, fahren im Kreisverkehr herum. Die Bank Santander ist ein Machtzentrum aus solidem Marmor und glänzendem Metall. Man scheint mehr Vertrauen in seine Währung zu haben. In Argentinien war jeder Bezahlvorgang eine lang andauernde Krampfhandlung.

Exkurs Chile: Insgesamt wird die Präsenz von Machtgetue spürbar. Durch gepflegte prachtvolle historische Architektur, sprichwörtlich schwerwiegende Monumente und der Präsenz von Militär und Polizei, was bisweilen genauso brutal wie die Armut einer großen Mehrheit daherkommt. Aber ... es gibt auch dieses Gefühl der Frische und der Wille zum Aufbruch im Land. Freche Karikaturen, Graffitis, eine Vielzahl von kulturellen und politischen Aktionen machen Front dagegen. Ein seltsames Gebräu...

Während es bei uns im besten Falle um den friedlichen Kampf der besten Lösung geht, ist die Demokratie hier noch lange nicht stabil, das ist Fakt!

Exkurs vom Exkurs: Ach, wo wir gerade bei allerlei tiefsten Oberflächlichkeiten in der Weihnachtszeit angelangt sind ... habe heute von dem Statement der US-Waffenlobby gehört, das man als Konsequenz aus dem Schulmassaker empfiehlt, in den Schulen bewaffnete Aufpasser zu installieren und das die „good guys“ (wie z.B. die Muttis) öffentliche Waffenpräsenz zeigen sollen. Ein ebenso (öffentlich) cleverer wie schwachsinniger Schachzug. Passend dazu habe ich mir kürzlich einen treffenden Satz von Gandhi notiert: „Was man mit Gewalt gewinnt, kann man nur mit Gewalt behalten.“ Viel Spaß dabei, good old USA!

Zurück zur Realität! Im 19. Jahrhundert war Valparaíso jahrzehntelang der größte Hafen des gesamten Pazifikraumes. Nach der Eröffnung des Panamakanals 1914 nahm seine Bedeutung allerdings rapide ab. Heute ist er nicht einmal mehr der größte Hafen Chiles. Ich suche Trost beim Meer und den Tieren.

In der Galerie nebenan zeige ich euch meinen lauschigen Stadtteil. Ich wohne auf einem der Hügel, die man mit öffentlichen „Aufzügen“ (sog. Ascensores) erreichen kann. Gesteuert wird das System über Seilwinden, man macht sich die Schwerkraft zu Nutze. Eine Karre fährt rauf, die andere gegenüber wird abgelassen. Ganz schön cool aber auch etwas furchterregend.

Mein Hügel (Cerro Concepción) wird als besonders romantischer Teil der Stadt verkauft. Auch etwas heruntergekommen aber mediterran, friedlich und PIToresk, ganz nach meinem Geschmack. Viele kleine Passagen mit lustigen Shops und Cafès. Ein Museum ist auch dabei, es ist das Haus eines wirklich witzigen Karikaturisten, Renzo Antonio Giovanni Pecchenino Raggi, LUKAS.