Ich habe eine neuartige Sportart erfunden: „Smogging“ - Rennen im dichten Nebel automobiler Emissionen!
Unverzichtbare Grundlage zum Ausüben dieser neuartigen Freizeitbeschäftigung ist Automobiler Wahn. Mir kommt es vor als ob von den 13 Millionen Einwohnern hier ständig 5 Millionen im Auto oder Taxi sitzen und rumgurken. Selbst am Sonntag Abend (zur besten Tatort-Sendezeit) ist Hochbetrieb auf den Prachtboulevards mit bis zu 10 Fahrspuren.
Den Rest an „buen aire“ verschlingen die sog. Colectivos (sehr preiswerte aber eben auch oft brutal alte Buslinien) und ein Warentransport, der fast ausschließlich auf LKW-Betrieb zu beruhen scheint.
Das blöde ist, wenn man gerade dabei war mir der Stadt so richtig abzurechen (... immer Vollgas, zu wenig Orte der Besinnung, kaum Zugang zur Natur, blabla...), passiert wieder etwas sehr Nettes, etwas ganz Friedliches und Freundliches oder etwas das ganz ohne zu lärmen und zu stinken auskommt.
Nach Überwindung aller verkehrstechnischen Barrieren trifft man - in diesem Fall - auf ein Paradies der Reichen. Die sanierten Docklands von „Puerto Madero“ sind eine Art Hafencity, ähnlich wie in Frankfurt, Hamburg oder Düsseldorf ... nur eben gigantisch!
Calatrava-Brücke, Luxushotels von Sir Foster und Philip Starck. Dazu Mega-Wohntürme für gehobene Ansprüche, Restaurants, Shopping und weitere Playgrounds für Touristen, Neureiche und Angehörige der internationalen Bankenwelt. Mir ist es ehrlich gesagt für den Moment schnuppe ob dieser Stadtteil auch „unter Ausschluß sozialer Wirklichkeiten“ konzipiert wurde, Hauptsache mal ein Hauch von Weite und Zeichen der Gelassenheit ...
In direkter Nachbarschaft, m e i n liebster Playground, die „Reserva Ecológica Costanera Sur“. Bis Mitte des letzten Jahrhunderts befand sich an dieser Stelle ein Strandbad, das aufgrund der zunehmenden Verschmutzung des Rio Plata geschlossen wurde. In den 70ern wurde das Areal mit Bauabfällen aufgeschüttet um ein neues Verwaltungsviertel zu errichten. Das Projekt wurde 1984 aufgegeben, da der Boden versank. Ab da übernahm zunächst die Wildnis das neugewonnene Land, das schließlich zum Park umgebaut und 1989 zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. Was für ein Glück, denn hier kann ich tatsächlich „joggen“.
Um meiner Mama und Uta (den Liebhaberinnen der Pflanzenwelt) eine Freude zu bereiten, hab ich bei meiner gestrigen Fotosafari auch verstärkt die Flora aufs Korn genommen ...
Zur Belohnung danach gibt es Ausgang des Parks einen leckeren „Hamburguesa“ bei meinem Lieblingsparador „My Dreams“, für umgerechnet 2 Euro. Bezahlt wird nur das Fleisch, der Salat ist kostenlos. Wie man sieht, es schmeckt und gefällt nicht nur mir an diesem Ort ...
