Auf dem Heimflug von Patagonien las ich kürzlich einen Artikel über einen argentinischen Superphysiker. Er brauche eigentlich nur Ruhe, die Möglichkeit der Konzentration und ein paar Blätter Papier und einen Bleistift, um die Barrieren von Raum und Zeit zu überwinden und seine Arbeit über die Entwicklung von Schwarzen Löchern zu tätigen. Seine erfolgreichen Beiträge, sagt er, resultierten nicht aus genialen Momenten sondern seien Folge von harter Arbeit und Hingabe. Oha, kein Wunder also, dass mir die akademische Meisterschaft versagt blieb. Meine Konzentrationsschwäche wurde bereits mit 10 Jahren medizinisch attestiert und mein beruflicher Erfolg basiert auf l a n g e r Arbeitszeit, Vertrauen zum Personal, das Festhalten an einer guten Idee und einigen wenigen l i c h t e n Momenten - würde ich sagen.
Es folgt ein schöner Satz aus dem Repertoire des angesprochenen Masterminds ... definitiv mit Kalenderblatt–Qualitäten:
„If you don’t look, you’ll never find what you are looking for.“
Na, das passt doch immerhin perfekt zu meiner Reise und, wie es der Zufall will, können wir uns heute bei der naturwissenschaftlichen
Fakultät BA umschauen. Ist der Nachwuchs auf ähnlichem Kurs wie unser Genie?
Möglich ist es, was ich erkennen kann, ist eine kämpferische Grundeinstellung (wie es scheint zumindest in Bezug auf politische und gesellschaftliche Themen), Konzentration in der Sache und in jedem Fall Hingabe (wenn auch nicht nur in Bezug auf den inhaltlichen Stoff).
In der Nachbarschaft zur Uni, der „Park der Erinnerungen“
(Parque de la Memoria), ein Themenpark der an die Opfer des „Staatsterrors“ in
Zeiten der Militärdiktatur um 1978 gedenkt. Ich bin sehr beeindruckt, ist es
doch der erste sichtbare („gebaute“) Beweis einer demokratisch gesinnten Moderne,
den ich in der Stadt entdecken darf. Formal und inhaltlich konsequent und von
hoher emotionaler Qualität. Die freie Aussicht erlaubt eine dem Anlass angemessene Konzentration.
