Shanghai Post

Hyatt on the Bund
Wie Frankfurt bringt Shanghai auf der einen und anderen Seite seines Flußes zwei kulturell v ö l l i g unterschiedliche Seiten hervor.

Ich begebe mich (hib de Bach) auf den Gipfel des alten Shanghai am Bund (wörtlich übersetzt "Damm"). Die Terrasse im 30. Stock des Hyatt on the Bund ist berühmt für den gnadenlos schönen Ausblick auf das neue, elektrisierte Zentrum der Stadt: Pudong New Area, wo alles so schön glitzert und blinkt.
Mir gehen auch bald die Lichter an und der Rest des Abends verschwindet irgendwie im Nebel.

Brilli statt Illy 

Auf der anderen Uferseite (drib de Bach), Shopping exklusiv. Die Chinesen mit Geld, so heisst es, kaufen nur das Beste vom Besten. Wenn sie es denn erkennen können, so finden sie das Nötigste im Citygroup Tower.

The Bund run
Koloniale Pracht am Bund (ab jetzt alles wieder hib de Bach). Hier haben die Großbanken ihre erste Adresse, Nobelhotels versprühen alten Charme. Anschauen macht selbst im beharrlichen Nebel viel Spass. Man geht oder rennt einfach am besagten Damm entlang.

Etwas weiter südlich stößt man auf "The Cool Docks".  Ich mag das Raue und Belassene, speziell wenn es mit etwas Neuem kommt. Viele ehemalige Industriezonen werden heutzutage umgenutzt für andere Zwecke und das ist schön zu sehen. Aber ist es auch gut? Amtlich genehmigte Graffitis, Themen-Restaurants und anbei unerschwingliche Boutique Hotels? Was ist daran noch cool? Ist doch eigentlich schon ein touch too much! Ich such mir jedenfalls einen anderen Spass und laufe weiter.

Power Station of Art
Noch weiter südlich am Fluß entlang kommt man am ehemaligen Kraftwerk vorbei, das bereits für die Expo umgerüstet wurde und als "Urban Future Pavillon" diente. Mittlerweile ist hier das erste staatliche zeitgenössische Kunstmuseum zuhause. Vor kurzem wurde die Warhol-Ausstellung eröffnet. Mir gefällt es: bold as bold can! Passt zu den neuen Chinesen und irgendwie auch zu Warhol ganz gut. Auf dem Weg zum Eingang eine übergroße Imitation des Flaschentrockners. Die Ausstellung läuft bereits seit einer Woche, am Trockner wird noch fleißig geschweisst. Ist doch geil, statt Kunst am Bau, Bau an der Kunst. Haha, die Lockerheit sollte uns Ausstellungsmachern und Producern mal genehmigt sein.
Einige Fotos, wie die mit den wilden asiatischen Schriftzeichen, gehören inhaltlich zu anderen aktuellen Ausstellungen im Haus. Ich habs einfach nach Belieben gemischt.

Chinesisches Essen
Wer hat es gemerkt? Richtig, die letzten beiden Fotos spielen schon wieder draussen vor der Türe des Museums. Kommen wir nun aber zum gemütlichen Teil. Krabben essen kann eine schöne Sauerei sein. Mit der richtigen Schutzausrüstung ist das aber kein Problem. Und zum Glück gibt es für die Empfindlichen ja beim Chinesen auch immer ordentlich Gemüse. (auch wenn man das gerade nicht sieht)

AMS

Es wird Zeit meine Kollegen und das Atelier in Shanghai zu ehren.

Italienische Kaffeemaschinen spielen seit längerer Zeit interessante Rollen beim Atelier. Diese hier war Xianhuas (die gute Seele von AMS) "second husband" und sie konnte damit Latte Macchiatos zaubern von denen man nächst träumte. Leider kam es gestern zu Trennung, da die Maschine einer echten Profiküche Platz machen mußte. Ab dem Wochenende teilen wir uns nämlich die Räumlichkeiten mit einem "Bayrischen Biergarten". Ja, ihr Frankfurter, ihr habt richtig gehört, man ist in Shanghai bei Markgraph in vielen Richtungen der "Kreativwirtschaft" unterwegs. Haha!

high and low!

Protest
Die Woche gab es einen kleinen Aufreger im Atelier. Ein älterer Mann kletterte direkt vor unserem Gebäude auf einen Elektromast und protestierte mit Textschild und lauten Rufen gegen die geplante Vertreibung aus seinem kleinen Haus. Tja, die Stadt braucht Platz und will sich nach oben ausdehnen, da ist am Boden kein Platz für den kleinen Mann. Ich betrachte mir die Sache von unten (man sieht den Mann wie er die von der Feuerwehr bereit gestellte Leiter benutzt um schliesslich die Aktion zu beenden). Und von unserer Terrasse aus, wo sich meine ebenso neugierigen Kollegen bereits versammelt haben.

Tianzifang
Steve, ein sehr netter früherer Ateliers-Kollege (er lacht so schön auf dem zweiten Bild), hat mich nach Tianzifang geschleppt. Ein relativ neu belebter Ministadtteil mit vielen Geschäften und Cafés. Es liegt in Mitten des berühmten, fast mondänen, französischen Viertel. Wirklich sehr schöne Läden, kein international Shop-scheiss sondern Handgemachtes. Selbstverständlich sind auch hier ein paar echte Locals vertrieben worden. Nun, warum sollte ausgerechnet Shanghai von der Gentrifizierung verschont bleiben?

Luxun Park
Die hübsche Fotoreihe am Anfang trügt. Luxun ist kein netter beschaulicher Park. In erster Linie ist er laut! Laut wie eine Spielhölle, die man sich in der Natur vorstellen darf.
Generell sind die wenigen Parks der Stadt fest in der Hand der Pensionäre. Hier spielen sie Karten (lieb), hier trainieren sie (bin sehr beeindruckt), hier musizieren sie mit voller Verstärkung (uff … eher nicht so).
In der Gegend um den Park geht es dagegen fast beschaulich zu. Der junge Mann im Bild ist Künstler. Ich krame etwas in seinem Laden herum und picke schliesslich eine Radierung heraus, die er mir unbedingt nicht verkaufen sondern schenken will, da es nur ein "Versuch" war.

Pudong
High, higher, highest! Hier stehen sie gemeinsam versammelt, die Riesen der Stadt. Das "Shanghai World Financial Center", mit 492 Metern der derzeit höchste Turm des Landes. In der Sky Lobby (240 Meter) können die Mitarbeiter das Mittagessen in der Kantine kaufen, statt mit einem der 91 Aufzüge den ganzen Weg bis zum Einkaufszentrum und den Restaurants ins Erdgeschoss zu machen. Daneben der "Jin Mao Tower" (421 Meter). Was ich mir noch anschauen werde ist das in 250 Metern Höhe gelegene Schwimmbad. Im Bau befindlich ist der "Shanghai Tower", der 632 Meter hoch werden soll. Er hat Windturbinen eingebaut, die Energie für das Gebäude liefern werden. Was in der Nacht so schön aus der Ferne glitzert ist der Fernsehturm "Oriental Pearl Tower", der heute nicht nur von mir bewundert wird.