Protest
Die Woche gab es einen kleinen Aufreger im Atelier. Ein älterer Mann kletterte direkt vor unserem Gebäude auf einen Elektromast und protestierte mit Textschild und lauten Rufen gegen die geplante Vertreibung aus seinem kleinen Haus. Tja, die Stadt braucht Platz und will sich nach oben ausdehnen, da ist am Boden kein Platz für den kleinen Mann. Ich betrachte mir die Sache von unten (man sieht den Mann wie er die von der Feuerwehr bereit gestellte Leiter benutzt um schliesslich die Aktion zu beenden). Und von unserer Terrasse aus, wo sich meine ebenso neugierigen Kollegen bereits versammelt haben.
Tianzifang
Steve, ein sehr netter früherer Ateliers-Kollege (er lacht so schön auf dem zweiten Bild), hat mich nach Tianzifang geschleppt. Ein relativ neu belebter Ministadtteil mit vielen Geschäften und Cafés. Es liegt in Mitten des berühmten, fast mondänen, französischen Viertel. Wirklich sehr schöne Läden, kein international Shop-scheiss sondern Handgemachtes. Selbstverständlich sind auch hier ein paar echte Locals vertrieben worden. Nun, warum sollte ausgerechnet Shanghai von der Gentrifizierung verschont bleiben?
Luxun Park
Die hübsche Fotoreihe am Anfang trügt. Luxun ist kein netter beschaulicher Park. In erster Linie ist er laut! Laut wie eine Spielhölle, die man sich in der Natur vorstellen darf.
Generell sind die wenigen Parks der Stadt fest in der Hand der Pensionäre. Hier spielen sie Karten (lieb), hier trainieren sie (bin sehr beeindruckt), hier musizieren sie mit voller Verstärkung (uff … eher nicht so).
In der Gegend um den Park geht es dagegen fast beschaulich zu. Der junge Mann im Bild ist Künstler. Ich krame etwas in seinem Laden herum und picke schliesslich eine Radierung heraus, die er mir unbedingt nicht verkaufen sondern schenken will, da es nur ein "Versuch" war.
Pudong
High, higher, highest! Hier stehen sie gemeinsam versammelt, die Riesen der Stadt. Das "Shanghai World Financial Center", mit 492 Metern der derzeit höchste Turm des Landes. In der Sky Lobby (240 Meter) können die Mitarbeiter das Mittagessen in der Kantine kaufen, statt mit einem der 91 Aufzüge den ganzen Weg bis zum Einkaufszentrum und den Restaurants ins Erdgeschoss zu machen. Daneben der "Jin Mao Tower" (421 Meter). Was ich mir noch anschauen werde ist das in 250 Metern Höhe gelegene Schwimmbad. Im Bau befindlich ist der "Shanghai Tower", der 632 Meter hoch werden soll. Er hat Windturbinen eingebaut, die Energie für das Gebäude liefern werden. Was in der Nacht so schön aus der Ferne glitzert ist der Fernsehturm "Oriental Pearl Tower", der heute nicht nur von mir bewundert wird.
