Tokyo

Spur der Steine
Frau Ikeda vom Noguchi Garden Museum in Japan hat mir ganz total lieber Weise eine Tokyo-Liste gesendet wo alle Werke von Noguchi und seinem späten Freund und Arbeitspartner IZUMI MASATOSHI aufgeführt sind. Ich picke mir das Grand Hyatt in Shinjuku heraus, wo Izumi eine Etage mit 2 Restaurants förmlich in Stein gekleidet hat. Mir fehlen die Worte, das ist sicherlich das Sinnlichste und Wunderbarste was man aus einem Restaurant machen kann. So langsam beginne ich zu verstehen wie lebendig Steine sind und was sie auszudrücken vermögen. Allerdings sind es hier nicht nur die Steine die mich begeistern, das ganze Ensemble ist perfekt-imperfekt ausbalanciert und ich signalisiere dem sehr freundlichen Personal, dass ich beim nächsten Besuch mit viel Geld in der Tasche wiederkomme um die vielen, gut aussehenden Speisen auch mal probieren zu können.

Louise
In der Nachbarschaft vom Hotel befindet sich die neue selbsternannte schicke kulturelle Mitte der Stadt: Roppongi Hills mit dem Mori Tower. Am Boden kriecht ein Ungeheuer auf die Laufkundschaft zu. Eine Riessenspinne von Louise Bourgeois stört den Kauf- und Laufrausch der Konsumenten auf angenehm hässliche Art.

1/318
In Tokyo gibt es 318 Museen. Ich verschone Euch damit im Wesentlichen. Weil das Gebäude imposant und ich die Bilder ganz lustig fand, ein kurzer Blick auf und in das Museum für nationale Kunst.

Der letzte Schrei!
Ich hab es nicht verstanden, aber die junge Leute in Tokyo sind verrückt nach Garrett-Popcorn und stehen in langen Schlangen vor dem Laden an.

634
Nächste Station ist der höchste Fernsehturm der Welt: der Tokyo Skytree, 634 m. 451 m geht es hinauf bis zum höchsten Aussichtspunkt. Da dürfen wir nicht hin weil es am Besuchstag zu windig ist. Wir werden mit einem Nebengebäude und dem 31. Stock vertröstet, was aber auch nicht so ein schlechten Blick über die Stadt hergibt. Wenn die Japaner was machen, dann aber richtig! Da wird dann gleich ein Besucherzentrum errichtet, die Infrastruktur weiträumig ausgebaut, eine Ladenpassage zum kaufen und essen darf nicht fehlen. Sogar ein Maskottchen gibt es und die Parkwächter sind wie das Maskottchen gekleidet. Ein bisschen Disney kommt halt derzeit gut an bei der eventgierigen Masse.

Abends ein Bad in der Menge an bekannten Tummelplätzen der Twens in Shibuya. Mal schauen was im Angebot ist? Ah, der Schoßhund zu umgerechnet EUR 750,00. Dackel, Pudel, Mops, Chihuahua, in dieser Gegend ist kaum ein Hund größer als Taschenformat.
Ein Bier noch schnell im Mini-Bar-Viertel? Kaum eine Bar hier hat mehr als 5 Sitzplätze und man muß deshalb zum Bierchen noch ein schönes Sümmchen Eintritt bezahlen. Wir sind zu geizig und machen den Abgang durch das Meer von Leuchtreklamen. Sagt tschüss zu Marcus, er muß wieder nach Hause nach Frankfurt. Von mir auch ein Dankeschön, es war schön mit Dir - Du Tier!

Hokkaido

Sapporo auf Hokkaido. Hokkaido ist Kürbis … ist gesundes Essen. Sapporo ist Olympic Spirit …  ist Sport. Wir verstehen uns! Hokkaido erreicht man über einen Tunnel. 53 km unter dem Meer fahren, nicht sooooo shocking aber trotzdem angenehm wieder oben zu sein. Schönes Hotel, schöne Cafés. Ach ja, oh weh, wie bei uns in Frankfurt. Das war jetzt kurz hier, aber ich komme bestimmt wieder, in einem Sommer mit dem Fahrrad, versprochen!

Und nun, ganz leise und unkommentiert, das Ziel der Reise, Isamu Noguchis Moerunema Park in Sapporo. Weltbekannt ist Noguchi durch den Coffee-Table, deshalb einige Netz-Bilder für Anfänger vorab. Aber dann geht es richtig ab, enjoy ...

Kanazawa, Karuizawa

Hätte der König der modernen Architektur, Mies v. der Rohe, einen Wettbewerb ausschreiben lassen, wer es wohl vermag im 21. Jahrhundert sein Erbe anzutreten, dann wären Sanaa (ein Architektenduo aus Tokyo) heiße Kandidaten für die Thronfolge gewesen. Schmucklosigkeit bzw. der neutrale Rahmen für die Inhalte, elegante Simplizität, die Idee Außen und Innen ohne visuelle Barrieren wahrzunehmen, Funktionalität, Leichtigkeit, Helligkeit, Durchsichtigkeit und nicht zuletzt die hohe Qualität der Materialien. Das sind moderne Prinzipien, die mit v. der Rohe aufkamen und bei Sanaa einen zeitgeistigen Schliff und eine Steigerung erfahren. Ich besuchte zwei Gebäude an zwei unterschiedlichen Standorten.

Teil 1: das Museum für Kunst des 21. Jahrhunderts in Kanazawa. Die Anreise von Nagano City war auch meisterhaft schön und passte zur „Weissheit“ des Folgenden.

Teil 2 ist einfach nur das Beste was die Zeit bieten kann: ein Museum in der Stadt Karuizawa, ausschliesslich einem einzelnen Künstler, dem Maler Hiroshi Senju gewidmet, dessen Wasserfälle in Japan angehimmelt werden. Das im Netz geklaute Bild aus der Vogelperspektive zeigt die Konstruktion des Daches; wie ein Blatt Papier im Wind legt es sich über den Hang. Der weisse Raum im Inneren wirkt keinesfalls klinisch und hart wie ein Badezimmer. Im Gegenteil, es fühlt sich ganz weich an. Auch bei diesem Gebäude ist der Bezug zur Natur relevant. Wie Landschaft und Architektur verschmelzen können, kann man am eigenen Leib verspüren wenn man das Glück hat durch Japan reisen zu dürfen ...