Awaji Yumebutai

Tadao Ando. Er ist wohl mit der bekannteste Architekt Japans. Minimalist und überzeugter Umweltschützer. Er hat nie Architektur studiert und war in seiner frühen Jugend Profiboxer. Bei meiner ersten Live-Begegnung mit einem Ando-Gebäude dachte ich noch vor Jahren: scheusslich, kalt, langweilig, brutal. Aber so sind die Gebäude nicht, es hat mittlerweile gefunkt zwischen uns und ich verstehe ihn heute besser.

Zur Einführung ein Foto von einer frühen Arbeit (von 1976) .​..

Ich zitiere Wiki, weil ich es besser nicht formulieren kann: "Sein bevorzugtes Material ist feinster Sichtbeton, dessen Schaltafeln nach der Größe von Tatami-Matten bemessen sind, die zusammen mit den Rödellöchern ein unverwechselbares Oberflächenraster ergeben. Für die Grundform der Gebäude greift er auf einfache geometrische Formen zurück, wobei er häufig mit Wiederholungen arbeitet."

Der für mich aufregendste Teil in dem von ihm gebauten Hotel- und Konferenzcenter auf der Insel Awaji sind die Gebäudefragmente und Formationen ohne praktischen Nutzen; eher "Denkräume" sind das.

Man beschreítet Wege, die durchkreuzt werden. Man bekommt Auswege angeboten, muß sie nur finden. Wege führen in den Abgrund oder ist es die Aussicht auf etwas Neues am Ende eines Weges?

Die Etagenbauweise erinnert an die hoch gebauten, brutalen Stadtautobahnen in den japanischen Innenstädten.

Eine getreppte Sitzgelegenheit bietet den Anblick einer nackten Betonwand, im unteren Teil ein Spalt breit geöffnet, der immerhin ein Hoffnungsschimmer Licht durchscheinen läßt.

Der Höhepunkt des ganzens, ein kassettenartiger Berggarten, der von labyrinthartigen Treppen durchzogen ist. Ist die artifizielle Stilisierung von Natur eine Verirrung? Ich muß an die einzelne Erdbeere denken, die vielfach verpackt und mit besonderer Geschmacksrichtung gezüchtet, im japanischen Supermarkt als Spezialität für viel Geld angeboten wird.

Kochi, Shikoku

Guten Morgen Kochi! Der Frühling bringt deine schönen Beine zum Vorschein und die Pflanzenwelt bekennt Farbe in deinem Botanischen Garten. Im Sommer wäre ich gerne an deinem Strand. Dein bester Bürger und Reformator Sakamoto Ryoma begrüßt die Besucher persönlich mit Handschlag und führt sie in ein architektonisch hervorragendes Museum. Wir fühlen uns geehrt ...

Nagasaki

N a g a s a k i ! Klar, der wichtigste Ort in dieser Stadt ist das "Atomic Bomb Museum". Ein Besuch ruft in Erinnerung, was uns vielleicht nicht so deutlich ins Bewusstsein gerückt wurde bisher: die Bomben von Hiroshima und Nagasaki waren ursprünglich für Deutschland bestimmt! Wir hatten das "Glück", dass Nazi-Deutschland kapitulierte bevor die Bomben an den Deutschen ausprobiert werden konnten. Heute ist es schwer nachvollziehbar, wie man ein so dickes Ding noch nach Ende des "großen" Krieges zünden konnte. Zudem kann man nicht wirklich verstehen, warum die USA noch eine zweite verheerende Bombe, 3 Tage nach Hiroshima, zum Einsatz brachten. Armes Nagasaki!
Neben der ergreifenden Ausstellung besuchen wir die Memorial Hall, die in fast unheimliche Stille gesetzt ist (letztes Bild). Die Glassäulen weisen auf den lokalen Zündpunkt der Bombe, das hohe Regal im Hintergrund beherbergt die Namen der Opfer.

Nagasaki ist eine Stadt, die sich modern und offen gibt, was in der superb gestalteten Hafengegend (mit Parks, hochästhetischen Gebäuden und neu angelegten Wasserwegen) besonders zur Geltung kommt. Nach unserer Ankunft haben wir uns bei Sonnenschein einfach mal ne Stunde ans Pier gesetzt und die Gegend auf uns wirken lassen. Ein leichter Tag für uns.

In der Edozeit (17. bis 19. Jahrh.), in der sich Japan mal kurzfristig über 250 Jahre von der restlichen Welt isolierte, waren es die Holländer und Chinesen, denen man einzig hier Handels- und Transportunternehmungen gestattete. Das kommt noch heute zum Ausdruck, z.B. in Architektur und Warenwelt.
In der Altstadt trinken wir Kaffee in einer kleinen örtlichen Rösterei. Wir werden freundlich behandelt und gleich herumgeführt im ganzen Unternehmen, die "Barista-Bewegung" ist schliesslich auch in Japan angekommen. Der Kaffe wird, wie fast alles in Japan, mit größter Sorgfalt zubereitet. Sieht auch gut aus, kann aber noch etwas geübt werden, was den Geschmack anbelangt.