Heute führe ich Euch in den schönsten und größten Buchladen
der Stadt: „El Ateno“. Bevor wir uns auf den direkten Weg machen, kommen wir an
einem der vielen kleinen improvisierten Lebensmittelläden in der Nachbarschaft
vorbei, die bei uns längst ausgestorben sind. Dieser ist besonders hübsch und
ich finde hier auch endlich ein für meine Verdauung (der Sorgen) hilfreiches
und somit existenzielles Produkt: getrocknete Feigen! Beim Anblick der
Warenanordnung geht mir wieder das Thema Größenwahn der Porteños durch den Kopf.
Ist es doch wahr und kein Vorurteil? Wer suchet der findet. Auffällig ist doch,
dass hier kaum ein Produkt einzeln dargestellt wird. Erst das zu schier
unermesslichen Türmen zusammengestellte erhält Bedeutung, das Einzelne ist
nicht genug. Wer weiss, jetzt nur nicht verrückt werden. Vielleicht ist es nur
eine frühe Form des Boldnessgebots im Kommunikationsdesign oder einfach ein
ortsübliches Zitat der angrenzenden Hochhäuser. Wir finden diese Stapelsucht
jedenfalls auch später im Buchladen wieder ...
Vom Lebensmittelladen geht es an besagten Hochhausburgen vorbei in ein Univiertel. Wir schauen bei den Soziologen vorbei, wo es im Eingangsbereich ausschaut wie in einem selbstverwalteteten Jugendhaus.
Da geht es bei den Zahnärzten schon mondäner zu. Hübsche angehende Zahnärztinnen sitzen vor dem Gebäude und rauchen vergnügt (noch). In den Geschäften anbei kann man gleich entsprechendes Zubehör erwerben.
Kommen wir nach Recoleta, „das Paris von Amerika“. Bei Wiki lesen wir: „Obwohl sich Recoleta gegenwärtig weniger als fünf Minuten vom Zentrum von Buenos Aires entfernt befindet, so war dieser Ort zur Mitte des 19. Jahrhundert für die Bewohner relativ abgelegen. Als 1870 in Buenos Aires Cholera- und Gelbfieberepedemien wüteten, flüchtete sich die Bevölkerung in die umliegenden Orte, um sich vor einer Ansteckung zu schützen. Während die arme Bevölkerungsschicht sich eher im Süden und Südosten neu ansiedelte, kam nach Recoleta vor allem die Oberschicht, da die Anhöhe von Recoleta die Anwesenheit von Stechmücken verminderte und damit die Ansteckungsgefahr geringer als in der Tiefebene war.“ Wichtige Sache: Stechmücken rules the world!
Hier befindet sich auch unser Buchladen, was früher ein Theater war. In den ehemaligen Logen finden sich heute Sessel zum schmökern und auf der ehemaligen Bühne ist ein Kaffee untergebracht.
Entspannung bringt anschließend das „Florencio“, wo die Besitzerin sich nicht ohne mich ablichten lassen mag. End of story for today!
