Countdown!
Noch eine Nacht und es geht weiter zur nächsten Station, Santiago de Chile. Habe gestern den letzten Designladen nach Kostbarkeiten und Ideen durchsucht, mit Anmut das letzte Parilla-Steak im berühmten „La Cabrera“ gegessen (die Zugaben waren besser als das allgemein hochgelobte Fleisch), die letzte Kirche besucht (schöne und besinnliche Orte tun ja so gut!) und die letzte Ausstellung angeschaut (die dollsten Räume tun sich hier gerne hinter belanglos erscheinenden Entrés auf).
Fazit BA!
In einem Satz: The good and the worst – all in one!
Du bist eine Stadt für Nostalgiker, Süßmäuler, Fleischfetischisten, Kinderliebhaber, Fussballfreaks, Tango-Tänzer, Temperamentbolzen und für solche gemacht, die sich von megamäßig viel Verkehr, krimineller Bedrohung, Müll in den Straßen und viel Lärm nicht die gute Laune verderben lassen.
Stadt der „guten Lüfte“, du bist so stolz und willst geliebt werden. Ich kann Dir den Gefallen nicht tun!
Ich komme wieder wenn ihr eure Reichen ärmer und eure Armen reicher gemacht habt und wenn ihr den Anschluss zu Eurem Fluss wieder entdeckt habt und wenn ihr abgekehrt seid von eurem automobilen Wahn und wenn ihr gelernt habt Eure Hundescheiße selbst mitzunehmen.
Final checklist!
Was haben die, was wir (in FFM) nicht haben?
- schönes Wetter
- Bohemianism
- Selbstvertrauen, Trickreichtum, Kampfeslaune
- niedere Instinkte und eine unglaubliche kriminelle Energie
- ideal niedrigste Fahrpreise für Busse und Bahnen
- die Parilla erfunden, den perfekten Fleischgrill auf Holzkohle-Basis
- riesige, wunderschöne Lilien an jedem floristischen Strassenstand
- elegante Full Service Sportclubs mit Schwimmbädern, Fussballfeldern, Tenniscourts, Clubhäusern
- eine architektonische Spitzenverdichtung (prima Wohnen in gigantischen Apartmenthochhäusern - in Palermo)
Was braucht die Stadt dringend?
- mehr frische Luft
- Wege, die aus der Armut führen
- Organisation
- weniger Süßes, einen einzigen guten Kaffee, Joghurt und Milch natur in den Regalen der Supermärkte
- Masterplan für Müllentsorgung und Mülltrennung
- Idee für ein umweltverträgliches Transportsystem
- manch einem Senior ... eine Lehrstunde für Emanzipation
- mehr alternativen Spirit
- Ruhe (ist doch bedenklich wenn der einzige Ort, der Ruhe verspricht, ein „Letzter Ruheort“ sein muß)
Was habe ich verpasst?
- „Es wird behauptet, dass Buenos
Aires über mehr Theatersäle (187) verfügt als jede andere Stadt in der Welt.
Zum Vergleich: Paris hat etwa 150, New York hat ca. 135 Säle. Viele der Theater
befinden sich an der Avenida Corrientes, die deshalb gerne auch als Broadway
von Buenos Aires bezeichnet wird.“ (Quelle Wiki)
Was persönlich auf die Ohren bekommen?
- ja, vor allem akustisch
Wann ist das Leben am süßesten gewesen?
- wenn man den herzlichen Menschen
begegnet ist, in den Parillas und Kneipen um die Ecke, im Bus 128 beim angucken
der begrünten Apartment-Häuser, im wilden Park „Reserva Ecológica“, in
Charcarita bei „Las Damas Grill“ am Sonntag, mit Katharina da zu sein
Spaces for Ideas?
- Wenig ... wenn dann am ehesten der Park der dem „Staatsterror“ gedenkt
- die hübschen, Schatten bringenden Baumreihen entlang der Straßen
- die Hinterhofmentalität (selbst in den „letzten Ecken“ kann man was Bezauberndes oder Nützliches hervorbringen)
Was ist nicht so wie es zu sein scheint?
- man muss auf der Hut sein, im Guten wie im Bösen lauern die Überraschungen
Bleiben, gehen oder wiederkommen?
Wiederkommen wenn der Wind sich gedreht hat.
