Notizblog Japan

Fazit!

In einem Satz: Today is a good day! (Tok)
Japan hatte es schwer bei mir. Beim letzten Mal vor zwei Jahren war alles neu und sensationell. Das echte japanische Essen, die kulturellen Phänomene, die angesteuerten Ziele (Miyako-Island mit seinen perlweissen Stränden und Gemüseäckern, Kyotos historische Gärten, die Kunstinsel Naoshima, das Noguchi Museum in Mure). Zum ersten Mal konnte ich damals diese feinsinnige, auf leise Töne, Belassenheit, Simplizität und Stille konzentrierte Folklore erleben. Ich fand einfach alles toll!
Diesmal war schon der Einstieg ungemütlich. Von der Hitze Thailands brutal in eine Eiseskälte gestossen, sah ich von Anfang an alles viel kritischer. Das Reisen mit Marcus war toll und natürlich haben wir viel Neues entdeckt. Aber es hat mir nicht immer geschmeckt. Hätte ich nicht Mako, Tok und Ori kennengelernt, ich glaube ich wäre etwas frustriert weitergezogen, da ich mit der althergebrachter Steifheit und den übergroßen Ritualen der Höflichkeit nicht so gut zurechtgekommen bin. Auch wenn ich mir jetzt, in Shanghai, nichts sehnlicher Wünsche als genau das … haha!

Was haben die, was wir (in FFM) nicht haben?
    •    Sauberkeit, Sicherheit, innere Ruhe (?) aus Prinzip
    •    eine wunderbare intelligente und feinsinnige Folklore als Gegengift zu Konsumgeilheit, Arbeitswahn, globaler Hektik und Eventterror
    •    einfachste Regeln der Höflichkeit, die von wirklich allen eingehalten werden
    •    Krampf und eine Verklemmtheit, die sich erst nach ein paar Glas Alkohol verflüchtigt
    •    Stummschalte-Prinzip für Handys
    •    ein technisch und organisatorisch überragendes Schienensystem
    •    eine funktionierende Grundversorgung mit Getränken (an jeder Ecke ein Getränkeautomat)
    •    die älteren Generationen genießen verdienten Respekt
    •    Minibusse statt Kombis
    •    Menschen die etwas zu Ehren ihres Landes tun
    •    Wegwerfen von Müll und Gegenständen auf die Strasse ist gesetzlich verboten (müsste man bei uns einführen, speziell wenn ich an das Mainufer denke, das regelmässig abends bei schönem Wetter müllmässig verwüstet wird: wir bräuchten auch so ein Bewusstsein, dass wir selbst für unseren Müll verantwortlich sind)
    •    und natürlich … ein Meer an kleinen kulinarischen Köstlichkeiten (eine Küche, wie eine Probierstube!)  


Was braucht das Land dringend?
    •    mehr Lockerheit
    •    Überarbeitung der altmodischen Prinzipen des zwischenmenschlichen Umgangs
    •    ein Ende des Verpackungswahns
    •    Umweltbewusstsein nicht aus Pflicht sondern aus Überzeugung
    •    Rauchverbot in Restaurants
    •    Mut zu Tempotaschentüchern
    •    Suchtberatung bei der Bekämpfung der Spielhöllenabhängigkeit


 Was habe ich verpasst?
    •    Sumo
    •    Teezeremonie


Was persönlich auf die Ohren bekommen?
    •    nein, im Gegenteil, einmal habe ich einen Schaffner angepflaumt und das tut mir heute noch leid
    •    oder doch, von Marcus, weil ich mal wieder so viel verglichen, theoretisiert und pauschalisiert habe, statt es mal als Ganzes zu sehen


 Wann ist das Leben am süßesten gewesen?
    •    der Tag bei Tok in Osaka, als ich in der Glaspyramide von Noguchi saß, im Schwimmbad in Nagasaki, über den Gärten von Ando in Awaji, im Grand Hyatt bei Izumis Steinen, mit Marcus zu reisen und über Verdauung reden zu dürfen


Spaces for Ideas?
    •    Shinkansens
    •    die Gesamtinszenierung des SKY TREES in Tokyo
    •    Saanas Architektur (als geniale Weiterentwicklung der Moderne)
    •    Moerenuma Park in Sapporo (als Vorbild für den Monte Scherbelino)


 Was ist nicht so wie es zu sein scheint?
    •    wahrscheinlich das japanische Sexleben (irgendwo muß es ja zu Berührungen und Emotion kommen)


Bleiben, gehen oder wiederkommen?
    •    unbedingt wiederkommen, nach Tokyo und zum radeln in Hokkaido, zu Tok und um Marcus Mama zu besuchen